Emotionsfokussierte Paartherapie EFT


EFT für Paare: Die Liebe wiederfinden

 

'Die neue Wissenschaft der Liebe': so wird die Emotions-fokussierte Paartherapie der kanadischen Psychologin Susan Johnson genannt. EFT wird immer bekannter: in den USA gibt es schon mehrere tausend ausgebildete EFT-Therapeuten, in Europa, Australien und Neuseeland sind es hunderte. 2008 war Susan Johnson anlässlich der holländischen Promotion Ihres Buches 'Halt mich fest' in den Niederlanden. Der Journalist Jorn Hövels, Redakteur der Zeitschrift 'Psy', hat folgendes Interview mit ihr aufgezeichnet: "Die meisten Paartherapeuten gehen davon aus, dass Liebesbeziehungen quasi rationale Verträge darstellen, bei denen die Partner unter Einsatz minimaler Kosten den größtmöglichen Gewinn für sich erzielen wollen," schreibt Johnson in ihrem Buch. "Liebesbeziehungen jedoch haben vor allem zu tun mit einem angeborenen Bedürfnis nach sicherer emotionaler Verbundenheit." Beziehungskonflikte treten vor allem auf, wenn die Partner ihre Verbundenheit zueinander nicht mehr spüren, so sagt Johnson. Andauernde Konflikte sind ein Hilferuf, die zum Ausdruck bringen, dass die Partner einander eigentlich dringend brauchen. Durch Emotionsfokussierte Paartherapie lernen sie, ihre Beziehungsmuster zu erkennen. Der Therapeut ermutigt sie, ihre verborgenen Emotionen auszudrücken und einander offen zu sagen, dass sie einander brauchen und für den anderen da sein werden.

 

Was macht EFT außergewöhnlich?

 

"EFT ist die einzige Paartherapie auf der Grundlage der Bindungstheorie des britischen Psychiaters John Bowlby (1907-1990). Bowlby ging davon aus, dass eine sichere Bindung zwischen Mutter und Kind ausschlaggebend ist für eine gesunde emotionale Entwicklung von Kindern. Der Ausgangspunkt der EFT ist, dass auch Erwachsene für ihr psychisches Wohlbefinden eine sichere Bindung brauchen. Kinder sind auf Aufmerksamkeit, Trost und Schutz von ihren Eltern angewiesen; Erwachsene sind an den Partner gebunden und abhängig von ihm. Beziehungen zwischen Erwachsenen sind gleichwertiger, aber die Art des emotionalen Bandes ist dasselbe."

 

Woher weiß man, dass wir sichere Bindungen brauchen?

 

"Es gibt zum Beispiel wissenschaftliche Forschungen über die psychische Verfassung von israelischen Soldaten, die aus dem Kriegsgebiet zurückkehrten. Die Soldaten, die am wenigsten unter Posttraumatischer Belastungsstörung litten, hatten die sichersten Bindungen. Sie erzählten, dass sie sich an der Front täglich vorstellten, in Kontakt zu sein mit ihrer Frau: wie sie miteinander sprachen, wie sie einander berührten. Starke Bindungsbeziehungen sind ein sicherer Hafen: Schon der Gedanke an geliebte Menschen bringt uns zur Ruhe. Menschen mit starken Bindungsbeziehungen können das Leben besser bewältigen. Am schlimmsten ist es, mit jemand zusammen zu leben, den man liebt, zu dem man aber keinen Kontakt bekommt. Glauben Sie mir: das führt nicht selten zum Gebrauch von Antidepressiva. Der Einfluss der Paarbeziehung auf die psychische Gesundheit ist nicht zu unterschätzen. Das gilt übrigens auch für die körperliche Gesundheit. Die Wahrscheinlichkeit, an Herz- Kreislauferkrankungen zu leiden ist geringer bei Menschen mit einer sicheren Paarbeziehung. Wir werden überall vor den Risiken des Rauchens gewarnt, aber man liest nirgends: 'Leben in Einsamkeit und Isolation ist tödlich.'"

 

Was bedeutet das für die Therapie?

 

"Durch EFT lernen die Partner zu verstehen, dass sie emotional verbunden und abhängig voneinander sind, und dass sie sich nicht mehr geborgen fühlen, wenn sie die Bindung zum Partner verlieren. Wenn ein Partner emotional nicht erreichbar ist, führt das zu Wut, Trauer, Schmerz und vor allem Angst. Die Angst fühlen Partner in einem Streit oder einer Meinungsverschiedenheit. Wenn Sie eine sichere Bindung haben, dann erleben sie das als kurzfristiges Beziehungstief. Aber Partner mit weniger starker Bindung werden schnell überwältigt durch eine 'Urangst'. Aus evolutionärer Sicht ist das logisch. Wenn die sichere Verbundenheit unterbrochen wird, dann verringern sich die Überlebenschancen."

 

Und dann entsteht ein andauernder Beziehungskonflikt?

 

"Die Partner beginnen dann entweder, Forderungen zu stellen und sich anzuklammern, um Bestätigung zu erhalten, oder sie ziehen sich zurück, um sich vor der Angst zu schützen. Je länger die Partner einen Mangel an Bindung erleben, desto stärker werden sie von den Teufelskreisen der negativen Interaktionen, welche ich 'Teufelsdialoge' nenne, mitgerissen. Die Teufelsdialoge sind Schutzstrategien, die sich äußern in sich Anklammern, Drohen oder Distanzierung. Sie verringern kurzfristig die Angst, aber die Distanz zwischen den beiden Partner wird schließlich so groß, dass sich keiner der beiden Partner in der Beziehung noch sicher und geborgen fühlen kann."

 

Sie unterscheiden drei Teufelsdialoge, welche sind das?

 

"Das sind: 'Such' den Bösewicht', die 'Protestpolka' und 'Erstarren und Fliehen'. Bei 'Such' den Bösewicht' geht es um Selbstschutz. Ein Partner fühlt sich kritisiert oder verletzt und geht in die Defensive. Die Partner beschuldigen und verurteilen sich dann gegenseitig und versuchen so, die Kontrolle über die Kränkung ihrer verletzten Gefühle wiederzuerlangen. Bei der Protestpolka protestiert ein Partner gegen den Mangel an Verbundenheit. Der andere zieht sich dann zurück, er oder sie drückt seinen Unmut durch Schweigen aus. Paare, die die Protestpolka tanzen, klagen oft über Kommunikationsprobleme und ständige Spannungen. Wenn der kritische Partner den Versuch, die Aufmerksamkeit des Anderen zu erlangen, aufgibt –die Protestpolka ist dann offensichtlich missglückt- gerät die Beziehung in einen Teufelskreis von 'Erstarren und Fliehen'. Der kritische Partner wendet sich ab und die Partner können nur noch distanziert miteinander umgehen. Der EFT Therapeut versucht die Teufelsdialoge zusammen mit den Partnern zu durchbrechen."

 

Ein ordentlicher Streit kann doch manchmal klärend sein?

 

"Im Kern sind die Teufelsdialoge ein Hilferuf. Die meisten Beziehungsprobleme entstehen nicht, weil der Partner zu spät nach Hause kommt, die Zahnpastatube nicht zudreht oder das Geschirr nicht abwäscht. Die Streits gehen in Wirklichkeit über den Mangel an Aufmerksamkeit, Vertrauen, Respekt, Anerkennung und Verständnis. In den Teufelsdialogen sagen die Partner zueinander: Ich habe Angst, dich zu verlieren, ich lasse mich nicht von dir verletzen, ich will mehr Aufmerksamkeit, ich will, dass du für mich da bist."

 

Haben Sie ein Beispiel aus Ihrer Behandlungspraxis?

 

"Ein Klient erzählte mir, dass Beziehungsprobleme in seiner Ehe immer auftraten, wenn seine Frau die drohende Warnung aussprach, dass die 'to-do'-Liste auf dem Kühlschrank jetzt doch wohl ziemlich lang wäre. In diesen Momenten fühlte er Widerstand und seine Schutzmauer wurde wie von selbst hochgezogen. Wenn er aus Verzweiflung versuchte, die Liste in einem Wochenende abzuarbeiten, blieb die positive Wirkung auf die Beziehung immer aus. In der folgenden Sitzung fragte ich seine Frau, mir ehrlich zu erzählen, wie sie sich fühlte, wenn sie ihn auf die lange 'to-do'-Liste hinwies. Sie gab zu, dass es ihr eigentlich nicht darum ging, dass die Aufgaben erledigt werden. Je einsamer sie sich fühlte, desto mehr Aufgaben setzte sie auf die 'to-do'-Liste. Ihr Mann war total überrascht: 'Habe ich in all' den Jahren die Liste für nichts und wieder nichts abgearbeitet?' Eigentlich hatte seine Frau das Gefühl, die Verbindung zu ihrem Mann zu verlieren. Mit den Listen stellte sie ihn auf die Probe: War er für sie da? Aber abgearbeitete Listen sind keine Medizin gegen eine schlechte Beziehung."

 

Partner erwarten doch auch manchmal wirklich etwas voneinander: mehr Initiative, ein Partner, der nicht raucht oder trinkt, oder mehr Sex?

 

"Viele Frauen denken, dass Männer vor allem interessiert sind an einem Orgasmus. Für die meisten Männer ist Sex vor allem eine Möglichkeit, Kontakt zu haben. Ich will hiermit sagen: Natürlich gibt es schwer überbrückbare Differenzen zwischen Partnern, aber oft machen Partner die Unterschiede größer als sie sind. Wenn Partner einander ehrlich sagen, was sie brauchen, dann können sie lernen mit ihren Differenzen umzugehen. Der Andere kann dann sagen, welche Erwartungen er erfüllen kann. Wenn die Partner hier in aller Offenheit drüber sprechen, dann verfangen sie sich nicht in den Teufelsdialogen."

 

Wie unterscheidet sich EFT von anderen Paartherapien?

 

"Die meisten Paartherapien basieren auf der kognitiven Verhaltenstherapie. Dabei lernen die Partner Kommunikationstechniken, um besser miteinander umgehen zu können. Das hilft durchaus, aber die Rückfallquote ist hoch. Nach einiger Zeit tritt der Beziehungsstress wieder zutage. Kommunikationstechniken können Menschen dabei helfen, mit Kollegen oder Freunden besser umzugehen, aber in Liebesbeziehungen greifen sie nicht. Interaktionen in Liebesbeziehungen haben nämlich einen ungeheuren Einfluss auf das Gefühlsleben beider Partner. Es steht ja sehr viel auf dem Spiel: Die Bindung aneinander und damit aus evolutionärer Sicht die Überlebenschancen. Die Standardansätze der meisten Therapien gehen nicht ein auf die Sehnsucht nach sicherer emotionaler Verbundenheit oder den drohenden Verlust ebendieser. Sie bringen den Partnern nicht bei, wie sie die Verbindung herstellen und bewahren können."

 

Warum gelingt dies mit EFT?

 

"Partner lernen in den Gesprächen, nicht den Anderen, sondern die Teufelsdialoge als gemeinsamen Feind zu betrachten. Die Behandlung hat Wirkung, weil Schlüsselemotionen angesprochen werden. Das Wort Emotion kommt vom lateinischen Wort 'emovere', das 'bewegen' bedeutet. Wir fühlen uns bewegt, wenn diejenigen, die wir am meisten lieben, ihre tiefsten Gefühle zeigen. Wenn die Partner ihre Emotionen dem anderen gegenüber ausdrücken, dann entwickeln sie neue Reaktionsweisen und brechen aus dem Teufelskreis aus."

 

Ist die Effektivität Ihrer Therapie wissenschaftlich belegt?

 

"Aus vergleichenden Untersuchungen geht hervor, dass EFT einen positiveren Effekt hat auf Intimität und gegenseitiges Vertrauen als Paartherapien, die auf kognitiver Verhaltenstherapie basieren. In einer Follow-up Studie nach EFT zeigte sich, dass siebzig Prozent der Paare auch nach zwei Jahren noch immer wenig Beziehungsstress erleben. Im Vergleich zu vor der Therapie fühlten sie sich glücklicher mit ihrer Beziehung und litten weniger unter Depressionen."

 

(Interview: Jorn Hövels)

 

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